FLUCHT? – ABENTEUER? – SELBSTFINDUNG?

Die Welt bricht auf, Menschen suchen neue Horizonte, v.a. sind es immer mehr Frauen, die den Schritt wagen, sich alleine zu neuen Ufern aufzumachen. Ob Flucht, Abenteuer, ein schlichter Tapetenwechsel oder Selbstfindung; die Motive sind so vielschichtig wie es allein reisende Frauen gibt. Welches Land eignet sich hier besser wie Indonesien – viele, überschaubare Inseln, freundliche und hilfsbereite Menschen. Und wenn sich Frau mal alleine auf den Weg gemacht hat, wird sie erstaunt sein, wie viele Gleichgesinnte aus der ganzen Welt unterwegs sind, jede mit ihrer eigenen Story – eine spannender wie die andere.

So stand auch ich an einem Wendepunkt in meinem Leben, der mich dazu veranlasste, meine schöne Kärntner Heimat vorübergehend zu verlassen, mich neuen Einflüssen und einer völlig neuen Kultur auszusetzen, um einen distanzierten Blick auf mein Leben zu werfen. Diese Reise sollte mir dazu verhelfen, mehr Klarheit in mein Leben zu bekommen, wie ich es schaffen könnte, meiner Visionen für ein selbstbestimmtes Leben in örtlicher und finanzieller Freiheit ein Stück näher zu kommen – ein Leben, das mehr meiner inneren Wahrheit entspricht.

 

WARUM GERADE BALI?

Zum einen inspiriert von Freunden, die nicht nur von der Freundlichkeit und der großen Hilfsbereitschaft der Menschen schwärmten, sondern auch von den sanften Energien, die dort angeblich spürbar sind. Dann war es auch mein starker Zug zum Hinduismus als „way of life“, der lt. meiner Freunde, in Bali mit viel Liebe und Demut zelebriert wird. Letztendlich reizte mich die Schönheit des Landes, das ich bisher nur aus Bildern kannte. Was mir den letzten Kick für diese Entscheidung gab, war Bali`s Ruf, ein sehr sicheres Reiseland, v.a. auch für Frauen zu sein. So machte ich mich für 6 Wochen auf den Weg, um herauszufinden, ob der gute Ruf der Realität gerecht wird.

 

START-SCHWIERIGKEITEN

Es war genau die Zeit, als der höchste Vulkan „Gunung Agung“ in seinem Innersten zu Rumoren begann und täglich kleine bis größere Aschewolken auspustete. Offensichtlich war die Stärke seiner Eruptionen dann doch so groß, dass der Flughafen Denpasar auf Bali aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde – zwei Tage vor meiner Ankunft. In Hongkong erfuhr ich, dass mein Flug „gecancelt“ wurde, was ich erwartete. So wurden bereits zu Beginn der Reise meine Pläne übern Haufen geworfen. Was tut Frau in einer solchen Situation?

Ich wurde auf die Insel Java umgebucht und landete am selben Tag in Surabaya, absolut ungeplant. Ohne Reiseführer oder Stadtplan zur Orientierung war ich auf mein Handy, WLAN und die Hilfsbereitschaft der Einheimischen angewiesen. Ich musste mich auf den Moment einlassen, ohne zu wissen, wie es im nächsten Moment weiter geht. Und trotzdem ging es irgendwie weiter. In solchen Situationen ist man gezwungen, sich den Menschen vor Ort zu öffnen, sich auf sie einzulassen und Hilfe anzunehmen, wenn man weiter kommen will. So ergibt eines das nächste, man wird von einer helfenden Hand zur nächsten weiter gereicht, so erlebte ich meine gesamte Reisezeit. In ungeplanten Situationen wie diesen liegen die Vorteile eines Backpackers auf der Hand: wenig Gepäck und gerade den Flug in der Tasche – so kann man spontan und flexibel auf Unvorhergesehenes reagieren und sich vom Leben leiten lassen, wie es kommt. Das ist Freiheit, wenn man den Mut hat, sich darauf einzulassen. Und manchmal bleibt einem auch nichts anderes übrig 😉

HELFENDE HÄNDE RUNDHERUM

Ich fühlte mich vom ersten bis zum letzten Tag meiner Reise total sicher auf den Straßen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Taxi, am Strand oder in Restaurants. Gerade auf Bali stellt der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle dar und ein Großteil der Einheimischen ist auf Reisende angewiesen. Dementsprechend Touristen-„geschult“ begegnen sie einem auch. Immer freundlich und hilfsbereit, wo immer Hilfe benötigt wird; man wird sich nie alleine gelassen fühlen, am nächsten Eck wartet schon die nächste helfende Hand. Und das mit einer Selbstverständlichkeit, einer Freundlichkeit und großen Gelassenheit, die diese Menschen ausstrahlen. Hier gibt es keinen Stress, weder im Straßenverkehr, noch unter den Menschen. Jeder nimmt sich Zeit, auch die Einheimischen untereinander unterstützen sich, wo immer es notwendig ist. Hier ist Gemeinschaft noch spür- und erlebbar.

HINDUISMUS UND GEMEINSCHAFT LEBEN

Der Hinduismus, der auf Bali über 90% ausmacht, trägt sicherlich auch seines dazu bei. Die Balinesen zelebrieren ihn tagtäglich in den zahlreichen Tempeln, die auf der ganzen Insel verstreut liegen und in ihren privaten Häusern die Götter mit Opfergaben und vielen Räucherstäbchen verehren. Religiöse Feste von der Geburt bis zum Tod und darüber hinaus sind die Basis für den Zusammenhalt von Familie und der Dorfgemeinschaft. Das ist auf ganz Bali stark spürbar. Als Ausländer ist man immer willkommen unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Herkunft. Alle Religionen finden Platz, denn es steht der Mensch im Vordergrund. So durfte ich im Rahmen meines Ashram Aufenthaltes bei einer Hochzeitszeremonie teilhaben, die ich in schönster Erinnerung behalte. Einheimische und ausländische Gäste wurden gleich herzlich behandelt. Ich saß mit meinen internationalen Freunden in erster Reihe und wir wurden Zeuge von einem wunderschönen Fest, wo gemeinsam zelebriert, gesungen und getanzt wurde. Als „Westler“ haben mich die Herzlichkeit und die liebevolle Aufnahme in die Gemeinschaft zutiefst berührt.

ES KANN AUCH ANSTRENGEND SEIN

Schließlich schaffte ich es am dritten Tag nach meiner Landung in Surabaya mit der Fähre nach Bali. Auf der 30minütigen Überfahrt kam ich mit zwei jungen Männern ins Gespräch, die mit ihrem Scooter zur Arbeit nach Kuta fuhren. Sie waren beeindruckt über mein „alleine unterwegs sein“ und fragten ständig, wo denn mein Mann sei. Sie konnten es kaum glauben, dass ich mit meinem Rucksack alleine reiste. Die erste Woche erlebte ich als sehr anstrengend. Der plötzliche Klimawechsel, der große Kulturunterschied, die Menschen, das Essen, der Rhythmus, das Leben auf den Straßen sind so anders, dass der Körper und die Seele Zeit brauchen, nachzukommen und sich anzupassen. Hinzu kam der Zeitunterschied von sieben Stunden – mein Körper spielte verrückt, ich schlief kaum eine Nacht, was sehr an meinen Energiereserven zerrte. Zum Glück gestaltete ich meine Reise sehr offen. Das einzige fixe Ziel war der Ashram Aufenthalt über Weihnachten in Ubud, den ich bereits zuhause buchte. In die engere Auswahl fiel auch ein einwöchiges Yogaretreat, das ich mir für eine spontane Entscheidung offen hielt. Die Zeit davor und danach war ungeplant, nur ein paar Ideen über Gegenden, die ich mir ansehen wollte.

Auf der Fahrt durch die Berge von Singaraja in den Süden erlebte meine Lunge einen kleinen CO2-Schock. Der starke Verkehr, all die vielen Scooter und Autos ohne Kat und der ständige Lärm im Bus, auf den Straßen und unter den Menschen brachten mich zu Beginn an meine energetischen Grenzen. Ich sehnte mich nach Ruhe und frischer Luft. So rückte das Yogaretreat immer stärker in mein Bewusstsein. Ich buchte spontan und verbrachte eine ganze Woche bei „Shanti Toya“ westlich von Ubud – eine Anlage, eingebettet in einer wunderschönen Dschungellandschaft an einem Fluss mit Pool, das von einer Naturquelle gespeist wird. Hier konnte ich mich von den anfänglichen Reisestrapazen und dem Kulturschock erholen und wirklich ankommen. Ich genoss den Austausch mit anderen Reisenden und merkte, wie sehr mir das Gespräch fehlte. So schön das alleine reisen auch sein mag, zwischendurch tut es gut, sich auszutauschen. Mit der Zeit kann es anstrengend werden, alles alleine zu entscheiden, zu planen, zu organisieren. Mit jeder kleinsten Entscheidung ist man auf sich alleine gestellt (Ausflüge, Unterkunft, Essensplatz, Taxi, Bus). Da kann eine fixe Buchung zwischendurch schon für Durchatmen sorgen.

ANGEKOMMEN

Nach der Woche bei „Shanti Toya“ fühlte ich mich richtig angekommen, an den neuen Rhythmus und das Klima angepasst, innerlich stark und bereit, alleine weiterzureisen. Jetzt machte es richtig Spaß, wieder unterwegs zu sein und mit meiner neuen, sprühenden Energien kamen auch die richtigen Menschen in mein Leben. Während ich anfangs noch in „guest houses“ verbrachte, stieg ich später immer häufiger in „hostels“ ab. Sie sind sehr günstig und man trifft viele Reisende. So verbrachte ich fast eine ganze Woche im Süden von Bali, borgte mir einen Scooter aus und klapperte alle Strände und Tempel ab, lernte Leute kennen und war so richtig im Reise-Flow. Mit verschiedensten Bus- bzw. Taxi-Firmen, die ich über mein Handy ausfindig machte, bewegte ich mich von A nach B über kürzere oder längere Strecken. Wo immer ich war, traf ich Leute, mit denen ich das eine oder andere gemeinsam unternahm, um danach wieder alleine weiter zu gondeln.

Green Bowl Beach

ALLEIN – UND DOCH NIE ALLEIN

Das ist das Schöne am alleine reisen: man ist alleine und doch nie wirklich alleine. Lässt man sich wirklich auf Land und Leute ein, dann kommt einem das Leben entgegen und bringt einem genau die passenden Situationen und Menschen mit neuer Inspiration, neuen Impulsen und Ideen, die fürs eigene Leben so wertvoll sind. Der Vorteil vom Alleinreisen ist, dass man niemandem gegenüber eine Verpflichtung hat. Man trifft Menschen, verbringt eine schöne Zeit gemeinsam und ist jederzeit frei, wieder alleine weiter zu ziehen. Wenn die anfängliche Fremde überwunden ist, kommt ein Gefühl von Heimat auf, dann wird auch das Alleinreisen in einem Land wie Indonesien vertraut, gibt Sicherheit und damit innere Freiheit.

FÜR ÜBERRASCHUNGEN IST GESORGT

Diese Freiheit liebe ich, denn oft hat das Leben anderes mit einem vor wie geplant und ladet dich ein, sich auf Neues einzulassen. So entdeckte ich während meines Ashram Aufenthaltes in Ubud die Facebook Gruppe „Ubud Community“, über die ich eine Kanadierin kennen lernte. Sie stellte eine Anfrage in die Gruppe, ob sie jemand auf die Insel Flores & Komodo begleiten wolle. Nachdem ich schon viel Schönes über die östlich von Bali gelegenen Inseln hörte, schrieb ich sie an. Wir trafen uns und verstanden uns auf Anhieb. Eine Woche später flogen wir gemeinsam nach Maumere in Flores – völlig ungeplant, nur ein paar wenige Highlights im Kopf, die wir uns anschauen wollten.

Genauso ungeplant trafen wir auf unseren lustigen und total vertrauenswürdigen „Driver“ Ryan, der uns von West nach Ost durch die wilde, gebirgige und landschaftlich wunderschöne Insel führte. So sahen wir nicht nur unsere Wunsch-Highlights, sondern noch viele andere Orte, an die wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln nie gekommen wären. Das absolute Highlight war der Komodo Nationalpark westlich der Insel Flores. Auf einem 2tägigen Bootstrip mit internationaler Besetzung besuchten wir die letzten geschützten Warane auf dieser Erde und schwammen mit den riesigen Mantarochen, die mit einer Spannbreite von 3-4 Metern durch den Ozean gleiten – ein unglaublich schönes Erlebnis, das für immer in Erinnerung bleiben wird.

PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG – SELBSTFINDUNG

Alleine Reisen in Indonesien hat mir geholfen, mein Leben einmal von außen, aus Distanz zu betrachten, mich aus eingefahrenen Strukturen zu lösen und neue Impulse zu bekommen. Die Fremde zwingt einen, loszulassen und sich komplett einzulassen auf das Neue. Alleine ist man völlig auf sich selbst zurück geworfen, darf alles mit sich selbst ausmachen und oft ist Körper und Seele schon gefordert, nachzukommen. Aber dadurch öffnet man sich automatisch der Welt im Außen und sich SELBT gegenüber, schärft seine Intuition, weil jegliche Ablenkung durch Reisepartner wegfällt. Diese Offenheit zieht automatisch Menschen in dein Leben, die beim Reisen zu Zweit nie auftauchen würden.

Alleine nimmt man die Reise viel intensiver wahr; man lernt, im Moment zu sein und auf den natürlichen Fluss des Lebens zu vertrauen. Indem es immer wieder Situationen gibt, die einen fordern, entdeckt man neue Seiten an sich. Hier wird Persönlichkeit geschliffen und geformt und man lernt das essentielle Wesen kennen, das man wirklich ist. Das ist Selbstentwicklung auf höchstem Niveau, mit allen Höhen und Tiefen. Hier kommen auch alte Gefühle aus vergangen Zeiten immer wieder hoch wie „Einsamkeit“ oder „Ängste“. Oft kommt man energetisch an seine Grenzen. Genau hier passiert Entwicklung – Entwicklung zu sich SELBST; wesentlich ist, wie man damit umgeht. Was gibt es Schöneres, als sich selbst neu zu entdecken und mit einem starken Selbstvertrauen, wachsender innerer Sicherheit, mit frischen Energien und einer neuen Klarheit zurück in die Heimat zu kehren.

AUF ZU NEUEN ABENTEUERN

Auch wenn ich von den 17.000 Inseln nur vier kennenlernen durfte, bezeichne ich Indonesien allgemein als ein absolut sicheres Reiseland für Frauen. Jede Insel mit ihrer eigenen Ausstrahlung je nach praktizierter Religion: das muslimische Java, das hinduistische Bali und das christliche Flores und Komodo. Ich habe mich überall sicher gefühlt. Damit möchte ich jegliche Bedenken allein reisender Frauen nehmen. Die Hilfsbereitschaft der Menschen macht es gerade in der Anfangszeit leichter, um sich gut aufgehoben zu fühlen. Zu Reisebeginn empfiehlt sich ein Aufenthalt in einem Resort oder Ashram, um sich gut zu akklimatisieren. Danach kann man gestärkt die eigentliche Reise beginnen. Keine Angst vor dem Alleinsein. Man ist nie lange allein, sofern man sich öffnet. Menschen stoßen ungeplant in dein Leben; das ist der Reiz des alleine Reisens und sorgt immer für Überraschung.

Das beste was eine Frau für sich und ihre Entwicklung tun kann: raus aus der Komfortzone, ein Stück näher zu sich selbst; hinein in ein wunderschönes Land, mit wunderbaren Menschen in einer herz-öffnenden Kultur, die ansteckt. Dankbar und reich beschenkt kehrte ich als neuer Mensch zurück in die Heimat – mit neuen Impulsen und einer größeren Klarheit für meine Vision eines selbstbestimmten Lebens in örtlicher und finanzieller Freiheit. An alle Frauen, die sich und das Leben hautnah spüren wollen: macht euch auf ins Abenteuer Indonesien – es zahlt sich aus!